Freitag, 8. Mai 2026

Blognacht Vol. 68 verplappert

verplappert verpleppert verplippert verploppert verpluppert
plapper doch nicht so laut
plapper nicht
plapper nicht
plapper plapper plapper nicht

Der Rhythmus dieser Zeilen hatte ihn in seinen Bann gezogen, obwohl sie inhaltlich eine einzige Katastrophe waren. Er sollte eigentlich Vokabeln lernen, doch wieder einmal waren seine Gedanken ganz woanders. Sich auf etwas konzentrieren, gerade wenn es so überhaupt keinen Spaß machte, fiel ihm schwer. Da flogen ihm von irgendwoher einzelne Wörter oder Satzfetzen zu und schwups fingen sie an sich zu bewegen. Manche im Gleichschritt, andere tanzten regelrecht, stürmten im Galopp davon oder schwebten in der Luft. Es faszinierte ihn jedesmal wieder.

verplappert plapp plapp
verplappert plappediplapp
plapp plapp verplappert
ha ha erwischt

Schnell an den Computer und einen kurzen Song kreiert. Die Software dazu hatte er im Internet gefunden und Tutorials dazu auch. Es war am Anfang ziemlich schwierig gewesen sich da einzuarbeiten, aber inzwischen klangen die Lieder schon ganz ordentlich. Er bekam sogar schon "Aufträge" von seinen Klassenkameraden, die ihm ein paar Zeilen oder erste Ideen vorsagten oder sangen und von ihm dann ein fertiges Lied wollten. Sicher, es schmeichelte ihm natürlich, war aber auch teilweise recht nervig. Vor allem wenn die Texte so gar nicht seinem eigenen Geschmack entsprachen. Er verdrehte die Augen. Texte wurden ohnehin überbewertet.

ver|plap|pern
Aus Versehen etwas, was geheim bleiben sollte, aussprechen, ausplaudern
sie hatte sich leider verplappert
ausplaudern, nicht dichthalten, nicht hinter dem Berg halten, verraten
(Duden)

Er hatte einfach nur dagestanden und sie angeschaut. Sie hatte irgendwas erzählt, er war gar nicht fähig gewesen, ihr auch noch inhaltlich zuzuhören. Wie schafften es Mädchen immer, alles gleichzeitig hinzubekommen? Gleichzeitig schauen und reden? Und denken. Und Pausenbrot essen. Und lachen. Sie lachte sensationell. Ihre Augen wurden ein bisschen kleiner und an der linken  Wange bekam sie ein Grübchen. Er kannte bisher niemanden mit einem Grübchen. Er musste immer wieder genau hinschauen, wenn es beim Lachen plötzlich auftauchte. Es faszinierte ihn, aber es war ihm auch unheimlich. Wieso konnte er nicht einfach aufhören damit. Wieso stand er da wie gebannt. Das passierte ihm doch sonst nicht.

Ge|heim|nis
1a etwas, was geheim bleiben soll
1b etwas, was nur eingeweihten bekannt ist
2. etwas Unerforschtes oder nicht Erforschbares
Heimlichkeit, Mysterium, Rätsel(haftigkeit), Wunder
(Duden)

Sein bester Freund hatte ihm auf den Kopf zugesagt, dass er einfach nur verliebt sei, sonst nichts. Sonst nichts? Er war völlig schockiert gewesen. Wie konnte er das sagen? Einfach so? Das war völlig unmöglich. Schon klar, hatte er dann noch nachgeschoben, das bleibt natürlich geheim, von mir erfährt keiner was, wir sind schließlich Freunde.

geheim geheim geheimnisvoll
Geheimnis geh heim
Geheimnis geh heim
Geheimniskrämerei

Und dann war es ihm doch rausgerutscht, vor den ganzen anderen. Er hatte ihn angeschaut, und es war völlig unklar, wer von ihnen entsetzter gewesen war. Beide plötzlich ganz blass, weitaufgerissene Augen, Panik, was jetzt? Die Zeit schien eingefroren, sie hatten absolut keinen Plan, wie sie da wieder rauskommen sollten.

geheim nicht mehr geheim
heim will ich heim
heim heim geh doch
ver ver plappert
lass mich heim

In seinem Kopf dröhnte es, harte kalte Beats, mitten auf den Schädel, er fürchtete ohnmächtig zu werden. "Dann musst du mich jetzt einladen, das macht man so, Eis mag ich gern." Sie nahm seine Hand und zog ihn fort, keine Ahnung wohin, doch das war egal. Er schaute sie an, hörte ihr Lachen, sah ihr kleines Grübchen und war froh.

(Danke an Anna Koschinski für den Schreibimpuls der blognacht )

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